Praktikum

In Deutschland ist „Praktikum“ ein gängiger Begriff, wenn es darum geht,  in der Arbeitswelt praktische Erfahrungen zu sammeln.
Es ist kein geschützter Begriff, der definiert, was darunter zu verstehen ist, was du tun musst oder darfst.
Jedes Unternehmen, jede Einrichtung legt fest, welche Tätigkeiten oder Aufgaben in einem  Praktikum erledigt werden sollen.

In diesem Beitrag gehe ich auf die verschiedenen Arten von Praktika ein und zeige,
was dabei zu beachten ist. Außerdem gebe ich einige hilfreiche Tipps.
Wir sprechen vom SchülerPraktikum, Orientierungspraktikum oder Vor- und Studienpraktikum.

Das Schülerpraktikum

Dauert ein bis zwei, gelegentlich bis zu vier Wochen und dient dazu, einen ersten Einblick in den Arbeitsalltag zu bekommen.
Es findet während der Schulzeit statt und ist daher unbezahlt.
Du übernimmst kleine Aufgaben und lernst die verschiedenen Abteilungen eines Unternehmens
und die Arbeitsbedingungen in einem Tätigkeitsbereich kennen:

  • Womit beschäftigen sich die Mitarbeiter den ganzen Tag über?
  • Gibt es Großraum- oder Einzelbüros,
  • Wie ist die Arbeit organisiert, im Team, in Arbeitsgruppen, Abteilungen, hierarchisch oder in Projekten?
  • Gibt es Schichtdienst?
  • Musst du früh aufstehen?
  • Wie ist die Lärmbelastung?
  • Ist die Arbeit schmutzig?
  • Kannst du die Art der Tätigkeit aushalten: schwere körperliche Arbeit, Körperkontakt, Blut, Schmerzen der Menschen.

Vielleicht bist du manchmal enttäuscht, weil es in deinem Wunschbereich kaum etwas an konkreter Arbeit zu sehen gibt, nämlich dann, wenn die Arbeit vorwiegend im Kopf stattfindet wie beispielsweise bei Ingenieuren. Oder es kommt vor, dass du dich eher als Zuschauer erlebst, wenn das Praktikum z.B. sehr kurz ist, so dass es niemand für wichtig hält, dir eine Aufgabe zu übergeben und dich einzuweisen.

In diesem Fall kannst du nur versuchen, dich nützlich zu machen, unaufgefordert kleine Arbeiten zu verrichten und Interesse zu zeigen.
Auch beim Kaffee kochen kannst du Einblicke gewinnen; denn Kaffee kochen findet nicht im luftleeren Raum statt.
Den  Kaffee bereitest du für Menschen in einer Team-Sitzung, bei einem Empfang, einem Kundengespräch vor.
Da sind Menschen anwesend, mit denen du reden und denen du Fragen stellen kannst.

Tipp – Mach dich nützlich, zeig Interesse, nimm den Kollegen kleine Arbeiten ab.
Sie werden sich darüber freuen und es dir mit guter Bewertung danken.
Und du selbst wirst mit dir zufrieden sein.

Das „Orientierungs“Praktikum

Wirst du unter diesem Namen und auch sonst nicht so leicht finden.
Nach dem Schulabschluss weißt du vielleicht noch nicht so recht, wohin die Reise gehen soll.
Du möchtest dich mit Hilfe von Praktika über Ausbildungen oder Branchen informieren.
Es dient also deiner beruflichen Orientierung.

Das heißt, du möchtest in einem Unternehmen oder einer Branche etwas über Ausbildungsinhalte und
was dahinter steckt, konkrete Aufgaben und Funktionen erfahren.
Für das Unternehmen, in dem du das Praktikum machen willst, bedeutet das, dass sich jemand mit dir beschäftigen muss,
um dich in Arbeitsabläufe einzuführen und dir etwas zu zeigen. Macht also zusätzliche Arbeit und kostet Zeit.
Arbeitskraft, Zeit und Geld sind Ressourcen im Unternehmen, die man nicht so einfach aufbringen kann.
Das muss sich für das Unternehmen schon auch lohnen und sei es ideell.
Daher werden solche Praktika in der Regel nicht ausgeschrieben. Vielmehr musst du dich anbieten  und zeigen, was das Unternehmen von dir hat.

Tipp – Mach dir klar, was das konkrete Ziel deines Praktikums sein soll, was du darin kennenlernen möchtest und wieviel Zeit du dafür einbringen willst.

Nach  dieser Vorarbeit kannst du nach Betrieben in der Branche suchen, dich bewerben und dabei deine bisherigen
Arbeitserfahrungen und Kenntnisse ins Spiel bringen.

Allerdings wird ein Praktikum zum Kennenlernen von Ausbildungsinhalten eher kurz bemessen und nur überblicksartig sein;
denn – überleg mal – wie soll das zwischen dir und den tatsächlichen Azubis getrennt werden?
Du kannst ja nicht einfach ein paar Wochen Ausbildung mitmachen und dann  wieder gehen. Entweder bist du Azubi oder Praktikant.
Entweder hat der Betrieb durch dich einen Azubi zu viel oder ein Ausbildungsplatz bleibt unbesetzt, wenn du „als Praktikant in Ausbildung“ wieder gehst.

Tipp – Wenn du dir über Motiv und Ziel deines Orientierungswunsches klar geworden bist und ein paar Fertigkeiten anzubieten hast,
kannst du dich alternativ auch um eine Aushilfstätigkeit als Mini-Job anstatt um ein Praktikum bewerben.
Die Vorarbeiten dazu sind, wie oben aufgezeigt, ziemlich ähnlich.
Auch bei einer Aushilfstätigkeit kannst du vieles im Unternehmen kennenlernen Und du verdienst auch noch ein bisschen Geld.

Da wir in München zur Zeit einen guten Ausbildungsstellenmarkt haben und die Unternehmen sich etwas einfallen lassen müssen,
um Azubis zu gewinnen, reagieren sie derzeit etwas sensibler auf den Orientierungswunsch von Schulabgängern und bieten
auch mal Praktikumsplätze an, mit dem Ziel oder in der Hoffnung, dass du dich im Unternehmen wohlfühlst und beide Seiten zu
dem Ergebnis kommen, dass ein Ausbildungsverhältnis für beide passt.

Vorpraktika

Von Vorpraktika sprechen wir, wenn vor Studienbeginn ein Praktikum verpflichtend vorgeschrieben ist.
Dies gilt meist für Ingenieurstudiengänge an Universitäten  z.B. Maschinenbau,
aber auch für Journalismus, Lehramtsstudiengänge oder Medizin.

Vor allem gilt es für Studiengänge an Hochschulen für angewandte Wissenschaften entweder,
wenn du von der FOS kommend die Fachrichtung wechselst, oder vom regulären Gymnasium kommend
ohne praktische Vorerfahrung praxisorientiert an einer Hochschule studieren willst.

Es gehört zu deiner Studienvorbereitung, dich darüber zu informieren, was du unabhängig von deiner
Abi-Note für die Zulassung zum Studium nachweisen musst. Das kann eben auch ein Vorpraktikum sein.

In den sogenannten Richtlinien für ein Vorpraktikum ist festgelegt, wie lange es dauern, was es beinhalten muss
und ob du ein Berichtsheft darüber führen musst.

Du erhältst die Praktikantenrichtlinien beim Praktikantenamt deiner Hochschule oder Universität.

Praktikum während des Studiums

In Deutschland ist es sehr wichtig, den Berufseinstieg während des Studiums in Form von Praktika vorzubereiten.
Das gilt ebenso für Universitäten wie für Hochschulen, mit dem Unterschied, dass es an den Hochschulen für angewandte
Wissenschaften in jedem Studiengang ein verpflichtendes Praxissemester gibt. Hierbei kannst du theoretische Grundlagen
in der Praxis anwenden, Aufgaben und Funktionen im Unternehmen kennenlernen, ein kollegiales Netzwerk knüpfen und
praktische Kenntnisse für deinen Studienschwerpunkt in den folgenden Semestern sammeln.
In diesem Praktikum arbeitest du in der Regel  verantwortlich an Projekten mit und bekommst dafür eine Praktikumsvergütung.
Weil die Unternehmen ihrerseits von den Studierenden profitieren, bieten sie solche Praktika für die Praxissemester offensiv an.
Es bietet beiden Seiten die Möglichkeit, sich gegenseitig kennenzulernen und zu prüfen, ob die Beschäftigung nach dem
Studienabschluss interessant erscheint.
Das Praxissemester hat sich also für beide Seiten zur Win-Win-Situation entwickelt.

Die Universitäten haben im Bologna-Prozess den Auftrag erhalten, ihre Studiengänge ebenfalls berufsqualifizierend zu gestalten.
Das erweist sich in der Praxis nicht ganz einfach, weil keine Praxissemester in Unternehmen vorgeschrieben sind.
Es wird von dir erwartet, dass du dich eigenständig in der vorlesungsfreien Zeit, den sog. Semesterferien, um praktische Erfahrungen
in einem Arbeitsfeld oder einer Branche kümmerst. Ohne derartige Erfahrungen wird es dir nach dem Bachelor-Abschluss schwer fallen
zu wissen, mit welchen Aufgaben du dich in welcher Branche beschäftigen und wo du dich bewerben willst.
Dadurch kann sich dein Berufseinstieg verzögern.

Tipp – Du kannst auch eine sog. Werkstudententätigkeit in einer Firma übernehmen. Sie ist allerdings an bestimmte Bedingungen geknüpft.
Du musst immatrikuliert sein und darfst in der Vorlesungszeit nicht mehr als 20 Wochenstundedn arbeiten. Die Werkstudententätigkeit kann,
aber muss nicht, durch die fachliche Nähe zu den  Studieninhalten gekennzeichnet sein.
Im Unterschied zum Praktikum ist für die Werkstudententätigkeit als Entgelt der Mindestlohn von derzeit 8,84 EUR festgelegt. Es darf auch mehr sein.

Tipp – Achte darauf, dass du dein Studium  während der Werkstudententätigkeit nicht vernachlässigst;
denn beides parallel gut zu bewältigen, bedeutet doch eine erhebliche Arbeitsleistung und -belastung.
Zwar ist die Abschlussnote nicht alles, was am Ende zählt, aber wenn die Arbeit im Unternehmen überhand nimmt und mit Erfolg belohnt wird,
kann das sehr verlockend sein und den Studienerfolg gefährden.

Mehr Infos zur Werkstudententätigkeit https://www.arbeitsrechte.de/werkstudententaetigkeit

 

Praktikum Im Ausland

In den meisten europäischen Ländern ist ein Praktikum an ein Studium oder eine Ausbildung an beruflichen Schulen
gebunden und (Vertrags)rechtlich geregelt.

Du musst dich also sehr gut vorbereiten, wenn du ein Praktikum im Ausland absolvieren magst, weil du dich intensiv mit den
Gegebenheiten und Arbeits- und Aufenthaltsbedingungen im jeweiligen Land beschäftigen musst.
Es lässt sich aber gut machen, wenn du es mit Eigeninitiative und Engagement angehst, indem du dich ganz konkret bei einem
Unternehmen um eine Mitarbeit in Form einer „Internship“ oder „Stage“ bewirbst.

An dieser Stelle brauche ich darauf aber nicht genauer einhzugehen, denn du wirst während deines Studiums an deiner Hochschule
dazu Informationen finden, wenn du danach suchst.

So viel von mir zu diesem umfangreichen Thema.

Jetzt bist du dran! Ergänze den Beitrag mit deinen Erfahrungen, so dass andere davon profitieren.
Oder stelle deine Fragen im Kommentarfeld, damit ich sie beantworten kann.

Weiterführende Links

Schülerpraktika:
sprungbrett-bayern.de
jobboerse.arbeitsagentur.de

Praktika aller Art:
www.praktika.de/praktikumsfuehrer
http://www.meinpraktikum.de
http://www.auslandsjobs.de